Event-Report
Der Bericht zur ersten EuroGEL 2006 vom 1.September 2006 in Kopenhagen
Von Mario Giudici und Daniel Hunziker
Über die letzten vier Jahren haben sich die “Good Experience Live” (GEL) Konferenzen stetig entwickelt und sind nun dabei zu den wichtigsten Events in der User-Experience Szene zu werden. Hinter GEL steht der Initiant und Organisator Mark Hurst, Gründer und Geschäftsführer der New-Yorker Firma Creative Good. Dieses Jahr hat Mark Hurst die GEL nach Europa gebracht. Am 1. September 2006 waren von der Swiss UPA Pascal Magnenat, Daniel Hunziker und Mario Giudici an der ersten EuroGEL in Kopenhagen dabei. UPA Germany war auch vertreten. Wir waren Teil eines bunt gemischten Publikums von über 16 Nationen, von Indien bis Island.

Mark Hurst hat die EuroGel 2006 mit den Worten eingeleitet: “GEL is a conference and community exploring good experience in all its forms – in business, art, society, technology, and life.” In diesem Sinne startete das Programm im modernen Black Diamond Theater der königlichen Bibliothek von Kopenhagen.

Während des Tages wurden wir durch die ganze Bandbreite des Themas “good experience” geführt. Beispielsweise mit dem deutschen Interaktionsdesigner Christoph Bauder und seiner innovativen “Tonleiter” oder mit dem holländischen Instrumentalisten und Schlagzeuger Han Bennink, der eine beeindruckende Schlagzeugperformance mit Besenstielen bot. Der englische Autor und Künstler Ted Dewan zeigte, wie er mit seinen “Road Witch” Projekten, autoüberfüllte, gefährliche Strassen zu kinder- und bewohnerfreundliche Wohnstrassen umfunktioniert. Die dänische Künstlerin Lise Autogena präsentierte ihre erfindungsreichen Multimediainstallationen und das Projekt „acoustic mirrors einem tiefsinnigen Kommunikationsprojekt zwischen den Nationen Frankreich und England über den Ärmelkanal hinweg. Und Alison Young, eine amerikanische Sängerin, schaffte mit ihren Liedern eine sehr persönliche und intime Atmosphäre. Ane Lykke, dänische Textildesignerin und Max Gadney, Head of Design & Audience Insight von “BBC News Interactive Britain” vermittelten Einblicke in ihre Arbeitsweisen.
Jimmy Wales, Gründer von Wikipedia, erzählte vom Spirit der Autorenschaft und der stetig wachsenden Popularität von Wikipedia. Er thematisierte die Möglichkeit von Fehlern in den Artikeln des kollektiv geführten Nachschlagewerks. Ein Vergleich in der wissenschaftlichen Publikation „Nature zeigte auf, dass die renommierte Enzyklopädie Britannica drei relevante Fehler pro Artikel beinhaltet – Wikipedia bringt es auf vier Fehler pro Artikel, nicht schlecht für ein Nachschlagewerk, dass von Millionen von Autoren editiert wird. Jimmy Wales überraschte mit der Aussage, dass die Erfahrung zeigt, dass weniger Kontrolle mehr Qualität bedeutet.

David McQuillen, Vize Präsident Customer Experience der Credit Suisse, zeigte in einer engagierten Präsentation auf, wie er Bankmanager für das Thema Accessibility sensibilisieren konnte - eine Herausforderung, in einem doch eher traditionell konservativen Umfeld. Er erreichte ein Umdenken mit ungewöhnlichen Massnahmen. Die Manager mussten sich in die Rolle der Betroffenen begeben und wortwörtlich am eigenen Leib erfahren, wie Inaccessible die Bank, die Umgebung und die Dienstleistung ihrer Firma sind. Die Präsentation war eine wunderbare Fallstudie und gab interessante Anregungen mit welchen Techniken ein Umdenken erreicht werden kann, das in der Folge Veränderungen und Verbesserungen ermöglicht.
Das dänische Design- und Künstlerduo Rosan Bosch und Rune Fjord Jensen, präsentierten in einer erfrischenden Collage aus Bild und Ton, was sie in ihrer Arbeit vorantreibt und inspiriert. Ann de Gersem, Künstlerin und Designerin aus Belgien berichtete von ihren Erlebnissen und der Zusammenarbeit mit autistischen Arbeitnehmern in einer Schokoladenfabrik und verschwand danach in ihrem aufblasbaren Lifedress. Vuk Cosic aus Slovenien experimentiert seit Jahren mit ASCII. Der erfolgreiche Netzkünstler stellte auf eine charmant provozierende Art die digitale Kunstszene zur Diskussion und reiste mit uns durch seine ASCII Welt zurück in die Zukunft.
Mit Jan Gehl von “GEHL Architects” und Direktor des “Center for Public Space Research” sowie mit Steffen Gulmann, Präsident des “Danish Design Centre” kamen erfahrene Urbanisten zu Wort. Sie zeigten auf, was die Lebensqualität von Kopenhagen ausmacht und wie aus einer vernachlässigten, heruntergekommenen Nachbarstadt wieder ein attraktiver Wohn-, Arbeits- und Lebensraum wurde. Ergänzt wurden ihre Präsentationen durch die Rede der ersten Bürgermeisterin von Kopenhagen, Ritt Bjerregaard, die die EuroGel 2006 offiziell im Namen der Stadt begrüsste.

Danke, Mark!
Mark Hurst und sein Team hat uns eine sehr professionell organisierte Konferenz mit reichem inhaltlichen Wert geboten – ausser den hervorragenden Referentinnen und Referenten bot die EuroGel 2006 zahlreiche Möglichkeiten mit Menschen in unterschiedlichster Branchen in Kontakt zu kommen, Freundschaften wurden geschlossen, mögliche Geschäftspartner gefunden oder es wurden einfach anregende Gespräche geführt. Das Publikum zeigte seinen Dank und seine Anerkennung am Ende des Tages mit begeistertem Applaus.
Mark hat aufgrund des vielen positiven Feedbacks beschlossen, im nächsten Jahr wieder eine euroGEL zu organisieren. Er kann sich der Unterstützung Vieler, inklusive der SWISS UPA und EDO, sicher sein. Anmeldung


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