Hat Experience Design etwas mit Wohlfühlen zu tun?

February 6th, 2007 by Mario Giudici

E-Mail Interview mit Ingo Weiss, Interaction Designer, er lebt und arbeitet in Cambridge, MA

EDO: Kennst du den Begriff Experience Design, falls ja, was verstehst du darunter?

Ingo: Ich habe ein paar Leute davon reden gehört, hatte auch ein paar Bücher in der Hand, habe aber keines gelesen. Also ich stelle mir ganz naiv vor dass die Idee hinter Experience Design ist weniger einzelne Dinge oder Prozesse zu gestalten sondern das gesamte Erlebnis mit allem was dazugehört. Also zum Beispiel dass es keinen Sinn mehr macht sich isoliert über das Design eines Flugzeuges zu unterhalten, sondern über die Gestaltung des gesamten Reise-Erlebnisses, wie alle Teile ineinandergreifen, beispielsweise der Ablauf der Suche im Internet, der Prozess des Eincheckens, die Gestaltung der Wartezone am Gate, das Essen im Flugzeug, oder auch wie man Erinnerungen der Reise aufzeichnet, organisiert und mit anderen teilt.

EDO: Wo wird Experience Design angewendet?

Ingo: Hmm, wo wird es NICHT angewendet??? Kann ich kaum sagen. Liegt wohl an der unscharfen Vorstellung die ich von dem Begriff habe.

EDO: Was für Themen im Bereich Experience Design interessieren dich am meisten?

Ingo: Kann ich auch schwer sagen weil ich wie gesagt eine so unscharfe Vorstellung habe. Hmm, interessanterweise habe ich aber wenn ich es recht überlege trotzdem (stattdessen) ein Vorurteil gegenüber Experience Design (komisch wie wenig man dafür wissen muss um so etwas zu entwickeln ;-) ), nämlich dass es oft mit Wohlfühlen und Spass haben zu tun hat, so chill-out-lounge mässig. Das würde ich enttäuschend finden, ist aber bestimmt nur ein Vorurteil. Man kann mit Methoden des Experience Design bestimmt auch an andere Probleme herangehen wie zum Beispiel die Gestaltung von Notunterkünften in Katastrophengebiete. Oder?

EDO: Ist Experience Design neu?

Ingo: Ich glaube nicht? Wenn etwas wirklich neu ist dann wohl eher sein Stellenwert und die Ernsthaftigkeit mit der darüber nachgedacht wird.

EDO: Wie kann dir EDO nützlich sein?

Ingo: Ah, guter Punkt. Jetzt merke ich dass ich davon auf der EDO lounge Website nur eine recht vage Idee bekommen habe (viele vielversprechend klingende Seiten waren auch passwortgeschützt). Ich würde sagen am ehesten als Forum? Oder doch was ganz anderes? Bin gespannt!

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EuroGEL 2006 in Kopenhagen

February 5th, 2007 by Daniel Hunziker

Event-Report

Der Bericht zur ersten EuroGEL 2006 vom 1.September 2006 in Kopenhagen

Von Mario Giudici und Daniel Hunziker

Über die letzten vier Jahren haben sich die “Good Experience Live” (GEL) Konferenzen stetig entwickelt und sind nun dabei zu den wichtigsten Events in der User-Experience Szene zu werden. Hinter GEL steht der Initiant und Organisator Mark Hurst, Gründer und Geschäftsführer der New-Yorker Firma Creative Good. Dieses Jahr hat Mark Hurst die GEL nach Europa gebracht. Am 1. September 2006 waren von der Swiss UPA Pascal Magnenat, Daniel Hunziker und Mario Giudici an der ersten EuroGEL in Kopenhagen dabei. UPA Germany war auch vertreten. Wir waren Teil eines bunt gemischten Publikums von über 16 Nationen, von Indien bis Island.

photo von mark hurst vor diashow

Mark Hurst hat die EuroGel 2006 mit den Worten eingeleitet: “GEL is a conference and community exploring good experience in all its forms – in business, art, society, technology, and life.” In diesem Sinne startete das Programm im modernen Black Diamond Theater der königlichen Bibliothek von Kopenhagen.

photo von christoph bauder mit seiner tonleiter

Während des Tages wurden wir durch die ganze Bandbreite des Themas “good experience” geführt. Beispielsweise mit dem deutschen Interaktionsdesigner Christoph Bauder und seiner innovativen “Tonleiter” oder mit dem holländischen Instrumentalisten und Schlagzeuger Han Bennink, der eine beeindruckende Schlagzeugperformance mit Besenstielen bot. Der englische Autor und Künstler Ted Dewan zeigte, wie er mit seinen “Road Witch” Projekten, autoüberfüllte, gefährliche Strassen zu kinder- und bewohnerfreundliche Wohnstrassen umfunktioniert. Die dänische Künstlerin Lise Autogena präsentierte ihre erfindungsreichen Multimediainstallationen und das Projekt „acoustic mirrors einem tiefsinnigen Kommunikationsprojekt zwischen den Nationen Frankreich und England über den Ärmelkanal hinweg. Und Alison Young, eine amerikanische Sängerin, schaffte mit ihren Liedern eine sehr persönliche und intime Atmosphäre. Ane Lykke, dänische Textildesignerin und Max Gadney, Head of Design & Audience Insight von “BBC News Interactive Britain” vermittelten Einblicke in ihre Arbeitsweisen.

Jimmy Wales, Gründer von Wikipedia, erzählte vom Spirit der Autorenschaft und der stetig wachsenden Popularität von Wikipedia. Er thematisierte die Möglichkeit von Fehlern in den Artikeln des kollektiv geführten Nachschlagewerks. Ein Vergleich in der wissenschaftlichen Publikation „Nature zeigte auf, dass die renommierte Enzyklopädie Britannica drei relevante Fehler pro Artikel beinhaltet – Wikipedia bringt es auf vier Fehler pro Artikel, nicht schlecht für ein Nachschlagewerk, dass von Millionen von Autoren editiert wird. Jimmy Wales überraschte mit der Aussage, dass die Erfahrung zeigt, dass weniger Kontrolle mehr Qualität bedeutet.

photo von david mcquillen im rollstuhl

David McQuillen, Vize Präsident Customer Experience der Credit Suisse, zeigte in einer engagierten Präsentation auf, wie er Bankmanager für das Thema Accessibility sensibilisieren konnte - eine Herausforderung, in einem doch eher traditionell konservativen Umfeld. Er erreichte ein Umdenken mit ungewöhnlichen Massnahmen. Die Manager mussten sich in die Rolle der Betroffenen begeben und wortwörtlich am eigenen Leib erfahren, wie Inaccessible die Bank, die Umgebung und die Dienstleistung ihrer Firma sind. Die Präsentation war eine wunderbare Fallstudie und gab interessante Anregungen mit welchen Techniken ein Umdenken erreicht werden kann, das in der Folge Veränderungen und Verbesserungen ermöglicht.

Das dänische Design- und Künstlerduo Rosan Bosch und Rune Fjord Jensen, präsentierten in einer erfrischenden Collage aus Bild und Ton, was sie in ihrer Arbeit vorantreibt und inspiriert. Ann de Gersem, Künstlerin und Designerin aus Belgien berichtete von ihren Erlebnissen und der Zusammenarbeit mit autistischen Arbeitnehmern in einer Schokoladenfabrik und verschwand danach in ihrem aufblasbaren Lifedress. Vuk Cosic aus Slovenien experimentiert seit Jahren mit ASCII. Der erfolgreiche Netzkünstler stellte auf eine charmant provozierende Art die digitale Kunstszene zur Diskussion und reiste mit uns durch seine ASCII Welt zurück in die Zukunft.

Mit Jan Gehl von “GEHL Architects” und Direktor des “Center for Public Space Research” sowie mit Steffen Gulmann, Präsident des “Danish Design Centre” kamen erfahrene Urbanisten zu Wort. Sie zeigten auf, was die Lebensqualität von Kopenhagen ausmacht und wie aus einer vernachlässigten, heruntergekommenen Nachbarstadt wieder ein attraktiver Wohn-, Arbeits- und Lebensraum wurde. Ergänzt wurden ihre Präsentationen durch die Rede der ersten Bürgermeisterin von Kopenhagen, Ritt Bjerregaard, die die EuroGel 2006 offiziell im Namen der Stadt begrüsste.

gruppenfoto mit daniel, mark, mario und rosan

Danke, Mark!
Mark Hurst und sein Team hat uns eine sehr professionell organisierte Konferenz mit reichem inhaltlichen Wert geboten – ausser den hervorragenden Referentinnen und Referenten bot die EuroGel 2006 zahlreiche Möglichkeiten mit Menschen in unterschiedlichster Branchen in Kontakt zu kommen, Freundschaften wurden geschlossen, mögliche Geschäftspartner gefunden oder es wurden einfach anregende Gespräche geführt. Das Publikum zeigte seinen Dank und seine Anerkennung am Ende des Tages mit begeistertem Applaus.

Mark hat aufgrund des vielen positiven Feedbacks beschlossen, im nächsten Jahr wieder eine euroGEL zu organisieren. Er kann sich der Unterstützung Vieler, inklusive der SWISS UPA und EDO, sicher sein. Anmeldung

edo logogel logo

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Video Abend GEL Conference

February 5th, 2007 by Daniel Hunziker

Event-Report

photo edo videoevent

Video Abend EDO und Swiss UPA
Thema: Good Experience Life Conferenc
e

Von Mario Giudici und Daniel Hunziker

Der erster EDO Event am 11. August 2006 zum Thema “Good Experience Live” GEL war ein Erfolg. Die Gastgeber waren die Gründungsmitglieder der Experience Design Organisation (EDO), Luc Haldimann, Daniel Hunziker und Mario Giudici. Sie haben gemeinsam mit der Swiss UPA zu einem GEL-DVD-Abend und einer Vorankündigung zur ersten EuroGel 2006 eingeladen. Es kam ein kleiner, sehr interessierter Kreis von Swiss UPA Mitgliedern und Nichtmitgliedern. Zu sehen waren eine Auswahl von Präsentationen der GEL 2005 in New York. Beim anschliessenden Apéro wurde angeregt über die Idee der GEL Konferenzen und EDO diskutiert. Im Feedback eines Teilnehmers kommt die Stimmung an diesem Abend so zum Ausdruck: “Ich habe wenig erwartet – und so viel bekommen – dieser Abend war eine wirkliche Bereicherung”.

Vielen Dank an alle, die gekommen sind, kommen wollten oder mehr wissen möchten!

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